#2 Freitagsblog – Design Thinking & Startups

Radikaler Kundenfokus als Grundprämisse

Design Thinking ist nicht neu. War es auch nie: ein best-of unterschiedlicher Disziplinen, die stets eines im Fokus hatten: die Bedürfnisse der Kunden. Ob nun Methode, Prozess, Innovationsansatz oder Geisteshaltung – Design Thinking ist die Denkweise der Gestalter, Gegebenes zu verbessern, Neues zu kreieren. Und damit die Denkweise der Entrepreneure, der Macher, der radikal-anders Denkenden. In der Tat hat Design Thinking tiefe Wurzeln in einer globalen Konversation, die sich seit Jahrzehnten entfaltet.

Nun, welchen Herausforderungen stellen sich die Teilnehmenden der Gründungsgarage? Alle kommen mit Ideen, teilweise Prototypen oder bereits durchdachten Geschäftsmodellen. Und hier liegt auch die Herausforderung: Die eigenen Annahmen zu hinterfragen, Hypothesen zu validieren, raus aus dem Silberturm und rein in Welt, die Bedürfnisse, die Gefühle und die Umwelten der (vermeintlichen) Kunden. Das ist anstrengend. Aber wirkungsvoll.

Es geht um Empathie, ein tiefes Verständnis für die Probleme und Bedürfnisse der Kunden. Es geht um die Kreativität, die schnellen Lernschleifen und die Entscheidungen auf Basis von empirischen und qualitativen Daten. Alles mit dem Kunden (oder Menschen) im Mittelpunkt unseres Handelns. Das bedeutet also, dass Design Thinking lösungsorientierte, iterative und menschenzentrierte Ansätze zum Denken und zur Problemlösung in den Mittelpunkt stellt. Es kann praktisch für jede Branche angewandt werden und bezieht sich ganzheitlich auf das Gestalten von Services, Produkten und Geschäftsmodellen. Kurz gesagt ist Design Thinking ein Ansatz, der Kreativität, Ambidextrie, Teamarbeit, Nutzerzentrierung (Empathie), Neugier und Optimismus hervorhebt. Dabei erscheint die Vorgehensweise manchmal chaotisch, weil Zusammenhänge hergestellt werden, wo scheinbar keine sind. Es ist eine Denkweise des Ausprobierens und des iterativen Verbesserns, der flexiblen Anpassung an sich ergebende Umstände und das Nutzen des glücklichen Zufalls, der sich nur ergibt, wenn man macht und mit Menschen in den Austausch geht.

Warum ist diese Herangehensweise relevant für Startups?

Startups wollen eine Lösung in die Welt bringen. Die Lösung basiert auf der Annahme, dass Kunden ein Bedürfnis erfüllt oder ein Problem gelöst haben wollen. Doch wenn Startups starten, starten sie immer ins Ungewisse. Es ist noch nicht belegt, ob die Probleme tatsächlich existieren und vor allem wer diese Probleme und Bedürfnisse tatsächlich hat. Es gilt schnell zu lernen und vor allem schnell herauszufinden, was funktioniert und was nicht. Daher bewegen sich Startups auch immens schnell, weil sie keine Zeit (und Geld) zu verlieren haben. Man muss kreieren, testen und (oft) scheitern, bevor man lernt was geht und daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell und Wertversprechen entwickeln kann. Design Thinking ist anpassungsfähig und iterativ, daher unglaublich nützlich für Startups in allen Entwicklungsstadien – egal, ob man gerade erst startet, ein erfolgreiches Produkt neu denkt und/oder ein Geschäftsmodell entwickelt.

Oft kennen Gründer*innen das Problem gar nicht, das sie lösen wollen, sondern starten gleich mit der Idee. Design Thinking ist perfekt für die Discovery-Phase – wenn bereits früh etwas identifiziert werden muss, das sich nicht einfach verbalisieren lässt. Es ist eine Schritt-für-Schritt-Methodik, die den Gründer*innen dabei hilft, das Problem zu identifizieren und zahlreiche kreative Lösungen zu finden. Darum starten wir mit dem Wissenstransfer rund um diese Haltung bereits am Beginn des Prozesses der Gründungsgarage– egal welchen Reifegrad die Idee, Lösung oder das Geschäftsmodell besitzt. Die Teilnehmenden müssen nur offen für den Prozess sein, eine menschenzentrierte und kreative Einstellung haben und den Eifer, kreative Lösungen für ein Problem zu finden.

Kurz gesagt: Design Thinking ist eine von vielen Möglichkeiten, ein Unternehmen zu entwickeln. Als Startup sollte man in der Ideen-Phase nie etwas ausschließen, egal ob Produktverbesserungen, Markendesign, Marketingbotschaften usw. in Betracht gezogen werden. In der Gründungsphase sollten Gründer*innen ein Netz so weit wie möglich auswerfen, neue Dinge ausprobieren. Im Design Thinking finden wir ein passendes Framework.

Verfasser:

Markus Stoisser, Co-Founder Design Thinkers Austria & Strategy.Innovation Bridgehead @ Haufe
Manuel Grassler, Experte für spielerische Veränderungsprozesse und strategischer Visionär bei manuelgrassler.com & Co-Founder Design Thinkers Austria

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